Hofer Fernweh-Park Hofer Fernweh-Park

 

Himmelsthür - Knocking on heavens door.

Dieser bekannte Song, der von Bob Dylan, Guns'n'Roses und Eric Clapton interpretiert wurde, ist bei Hildesheim gegenständlich. Denn dort gibt es eine Vorstadtgemeinde mit über 7000 Einwohnern, die jährlich zur Weihnachtszeit unzählige Briefe, adressiert an das Christkind oder den Weihnachtsmann, erhält, von Kindern, die "anklopfen an der Himmelstür", dort, wo die Kleinen ihre Weihnachtswünsche am ehesten erfüllt zu bekommen glauben. So ist seit über 30 Jahren der Ort "Himmelsthür" weltberühmt, besonders durch das "Himmlische Postamt", in dem es einen eigenen Beamten braucht, um all die geheimen Wünsche und Anfragen an den Weihnachtsmann zu beantworten.

Für Frau Elfriede Schneider aus Hof, die sich bereits für das Ortsschild von "Hotzenplotz" einsetzte, war es ein Muß, diesen "himmlischen" Ortsnamen für die Sammlung der aussergewöhnlichen deutschen Orttafeln im Hofer Fernwehpark zu erhalten. Sie fragte dazu im Fachbereich Kultur der Stadt Hildesheim nach, deren Bedienstete sofort bereit waren, ein Original-Ortsschild von "Himmelsthür" für das Hofer Projekt zur Verfügung zu stellen. Unser Bild zeigt die Übergabe des Schildes an Frau Elfriede Schneider durch den Fachberichsleiter und Pressesprecher Horst Richter.

Freudig präsentiert das Ehepaar Schneider das Schild mit der klangvollen Adresse vor der Schilderkulisse mit Namen aus aller Welt.

Seine "Heimat" aber findet "Himmelsthür" in der speziell für aussergewöhnliche Ortsnamen eingerichteten Abteilung des Parks, wo es einen ganz besonderen Platz erhalten soll: "An oberster Stelle, dem Himmel so nach wie möglich", sagte Fernweh-Park Initiator Klaus Beer, "noch über ‚Himmelsgarten', da man ja erst durch die himmlische Pforte in den himmlischen Garten gelangt".
Elfriede Schneider und ihr Mann präsentieren nun schon mal probehalber vor der Sammlung der "kuriosen" Namen die Ortseingangstafel von "Himmelsthür", dessen Name noch in alter deutscher Schreibweise verfasst ist.

Doch wie erhielt der Ort diesen hübschen Namen?

Hier ein kleiner Auszug aus der alten Ortschronik, die dazu folgendes berichtet:

Schon vor fast 1000 Jahren waren in dem Gebiet des heutigen Ortsteiles Himmelsthür mehrere Hofstellen bekannt, die im Eigentum des Hildesheimer Bischofs Bernward standen. Nachdem dieser im Jahre 1022 mehrere Hofstellen dem Hildesheimer Michaeliskloster verschenkt hatte, errichtete das Kloster hier in Hemethesdoron schon bald einen eigenen Wirtschaftshof (Klosterhof) sowie eine Kapelle. Bis zum Jahre 1100 erwarben daneben auch andere Hildesheimer Klöster, Stifte und Kirchen einige Besitzungen in Himdisdore, die nur durch eine Fahrstraße untereinander und mit dem Klosterhof verbunden waren.

Um 1100 entwickelte sich Himdesduri durch die Errichtung neuer Hofstellen weiter. Das Mauritius-Kloster (Moritzberg) entstand, am Osthang des Osterberges wurde zusätzliches Ackerland gewonnen und südlich des Dorfes eine umfangreiche Waldfläche durch Rodung (heute Rottsberg) in Ackerfläche verwandelt.

Im Jahre 1282 wurde die Ortschaft das erstemal von bischofsfeindlichen Rittern fast völlig zerstört. Die verwaisten Hofstellen wurden neu aufgebaut, weitere dazu errichtet, doch die neue Anlage wurde Jahre 1485 ermeit von den "Steuerwaldischen" niedergebrannt.

Das Jahr 1632 brachte für das aufstrebende Dorf einen neuen schweren Schicksalsschlag, als im Verlaufe des Dreißigjährigen Krieges wiederholt Kämpfe um die Bischofsburg Steuerwald entbrannten. Truppen des Generals Pappenheim errichteten am Osterberge ein Heerlager und zerstörten bei Auseinandersetzungen mit den Bewohnern erneut die Hälfte aller Hofstellen. Nach 1632 und dann vor allem nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges waren Kloster und Kirchen und auch manche Besitzerfamilie bemüht, die zerstörten Gehöfte wieder aufzubauen.

Im Jahre 1650 waren bereits mehr als 10 Hofstellen wieder intakt. Die Aufbau-Entwicklung des Dorfes machte in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts eine deutlichen Fortschritt. Hierbei wirkte sich entscheidend die Tatsache aus, dass die Martini-Kapelle, die bis dahin eine Filialkapelle der Kirche St. Margarethen auf dem Moritzberg war, im März 1661 zu einer selbständigen Pfarrkirche erhoben wurde. Dabei wurde auch der Ortsname des Dorfes, der vorher in den verschiedensten Formen bestand, endgültig als HIMMELSTHÜR festgelegt.

Um 1720 konnten ca. 40 wirtschaftlich genutzte Hofstellen gezählt werden. Das bedeutendste Ereignis in dieser Entwicklung war die im Jahre 1747 erfolgte Errichtung einer neuen Pfarrkirche, die nun immer mehr zum Mittelpunkt des Dorfes wurde. Im Südteil der Ortschaft wurde der sog. Kokensche Hof auf- und ausgebaut, die Grundlage des späteren Rittergutes, des heutigen Frauenheimes. Nach 1800 ließen sich nun auch selbständige Gewerbetreibende in Himmelsthür nieder.

Im Jahre 1889 überließ die Familie von Anderten ihr Rittergut an das "Asyl Frauenheim". Durch den Ausbau der Anstalten wurden die inzwischen ansässig gewordenen Handwerker und Gewerbetreibenden mehr und mehr beansprucht und somit zogen immer mehr Familien zu. Die Einwohnerzahl stieg um 1900 auf etwa 1500 an und 10 Jahre später auf mehr als 1700.

1914 Der 1. Weltkrieg schlug auch in die Gemeinde Himmelsthür tiefe Wunden. Der folgende Aufbau (bis in die 30er Jahre) brachte eine wesentliche Vergrößerung des alten Gemeindegebietes. Schon im Jahre 1939 umfaßte die Gemeinde Himmelsthür 2239 Einwohner.

Der 2. Weltkrieg brachte für Himmelsthür nochmals schwere Schicksalsschläge. Fast 70% der Gemeinde Himmelsthür durch Bombenabwürfe zerstört.

Der folgende Wiederaufbau führte zu einer neuen Entwicklung des Ortes. In den nächsten 20 Jahren stieg die Einwohnerzahl von 2300 bis auf 6000 an. Straßen wurden neu ausgebaut, Wohngebiete erschlossen, Schulen errichtet und Industriebetriebe angesiedelt.

Heute 2003 ist "Himmelsthür" eine moderne Vorstadtgemeinde mit 7000 Einwohnern und erhält durch das "Himmlischen Postamt" weltweite Beachtung.

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